Die Seriosität medizinischer Maßnahmen ist an die Beachtung von Heilanzeigen und Gegenanzeigen gebunden. Diese Feststellung gilt auch für die medizinische Kur. Sowohl bezüglich der Indikationen als auch im Hinblick auf die Kontraindikationen sind allgemeine und spezielle Gesichtspunkte zu beachten. Ein nicht unwesentlicher Anteil des Kureffekts ist auf eine intensivierte Erholung zurückzuführen. Nicht zuletzt deshalb scheinen bei vielen Kuren Heilanzeigen wie Erholungsbedürftigkeit, Erschöpfungszustände, Rekonvaleszenz, Regeneration etc. in den Indikationslisten auf.

In diesem Zusammenhang wird auch häufig von den unspezifischen Therapiefaktoren der Kur gesprochen. Diese unspezifischen Faktoren werden den spezifischen Faktoren gegenüber gestellt, die das Resultat der gezielten Anwendung des natürlichen ortsgebundenen Heilvorkommens und weiterer medizinischer Verfahren sind, die im Rahmen der komplexen Kur kombiniert und strukturiert eingesetzt werden.

Die Heilanzeigen einer Kur hängen grundsätzlich von der Art des ortsgebundenen natürlichen Heilvorkommens ab. Die Basis für die Erstellung der jeweiligen Indikationen ist einerseits das Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung und andererseits das Resultat einer vieljährigen kurärztlichen Empirie. Wie aus der Gegenüberstellung von Indikationslisten von Kuren mit balneologisch vergleichbaren Heilvorkommen hervorgeht, existieren im Hinblick auf die einzelnen Indikationen aber doch bestimmte Unterschiede.

Diese Unterschiede können auf verschiedene Umstände zurückgeführt werden. So sind Heilwässer von gleicher balneochemischer Charakteristik doch hinsichtlich der einzelnen Inhaltsstoffe, deren Dosierung und Kombination keineswegs absolut identisch was bedeutet, dass jedes Heilwasser neben der allgemeinen auch eine individuelle Charakteristik aufweist. Darüber hinaus spielen auch noch sonstige vorhandene therapeutische Einrichtungen und die Tradition des jeweiligen Kurorts eine Rolle.

Nachfolgend werden typische Indikationen für verschiedene Heilwässer und Peloide wiedergegeben. Es handelt sich dabei um keine vollständige sondern nur um eine überblicksartige Darstellung. Detaillierte Indikationen die für einzelne Heilwässer und Peloide landesgesetzlich anerkannt sind, finden sich bei der Beschreibung der einzelnen Heilvorkommen bzw. Kurorte und Kurbetriebe.

Für Badekuren mit Akratothermalwässern gelten folgende Heilanzeigen:

Chronisch-rheumatische Erkrankungen
Degenerative Arthrosen
Rehabilitation nach Verletzungen
Funktionelle Herz-Kreislauf-Störungen
Rehabilitation nach neurologischen Erkrankungen
Förderung von Erholungsvorgängen

Für Säuerlinge werden nach den Ergebnissen von internationalen CO2-Konferenzen folgende Indikationen anerkannt:

arterielle Verschlusskrankheiten in jedem Stadium
Mikroangiopathie jeder Genese
Polyneuropathie (speziell Malum perforans)
zerebrale Durchblutungsstörungen
arterielle Hypertonie 
Algodystrophie (M. Sudeck) 
"vegetative Dystonie" 
venöse Ulcera 
venöse Insuffizienz mit definierter Applikationstemperatur

Heilanzeigen für Sole, die ein reizmildes Heilwasser darstellt sind:

für Badekuren:
Entzündliche rheumatische Erkrankungen außerhalb akuter Schübe 
Degenerative Wirbelsäulen- und Gelenkserkrankungen
Neurovegetative Störungen des kleinen Beckens (einschließlich klimakterischer Störungen)
„Lymphatische Diathese" im Kindesalter
Psoriasis vulgaris, atopische Dermatitis, seborrhoische Ekzeme (Solephototherapie)

für Inhalationen:
Chronisch-entzündliche Erkrankungen der oberen Luftwege wie chronische Bronchitis, chronische Rhinitis und chronische Sinusitis.

Sulfatwässer werden in erster Linie für Trinkkuren eingesetzt. Heilanzeigen für solche Trinkkuren sind:

Funktionelle Erkrankungen der Organe im Oberbauch
Funktionell bedingte Störungen der Motorik des Darms, besonders verschiedene Formen der Obstipation und des Colon irritabile
Anregung der Gallen- und Pankreassekretion
Postoperative Beschwerden nach Gallenoperationen
Dyskinesien der ableitenden Gallenwege
Unterstützende Behandlung bei Adipositas und Hyperlipidämien
Prophylaxe von Calcium-Phosphat-Steinen, besonders bei hohen pH-Werten im Harn
Unterstützende Behandlung bei Harnwegsinfekten

Hydrogencarbonatwässer finden vorwiegend für Trinkkuren Verwendung. Die Indikationen für Trinkkuren mit Hydrogencarbonatwässern lauten:

Funktionelle Erkrankungen des Magens und oberen Dünndarms, Reizmagen
Zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-rezidivierender Ulcuskrankheit
Zur unterstützenden Behandlung des Diabetes mellitus, z.B. bei latent azidotischer Stoffwechsellage
Prophylaxe und Metaprophylaxe von Harnsäure-, Zystin- und Calciumoxalat-Harnsteinen, auch postoperativ bzw. nach Lithotripsie
Zur unterstützenden Behandlung chronischer Harnwegsinfekte, mit Ausnahme von E. coli-Infektionen
Störungen des Harnsäurestoffwechsels (Gicht), als Begleitbehandlung

Heilanzeigen für Schwefelwässer sind nach den Ergebnissen einer Consensus Konferenz im Jänner 2013 die in Wien Oberlaa stattgefunden hat:

Degenerative Gelenkserkrankungen
Extraartikulärer Rheumatismus
Posttraumatische Schäden
Postoperative Therapien
Bestimmte Hauterkrankungen

Für Kuren mit radonhaltigen Heilwässern gelten folgende Indikationen:

Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (entzündlicher Rheumatismus, wie primär chronische Polyarthritis, Morbus Bechterew, degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie Arthrosen, Spondylopathien, Spondylarthrose, Wirbelsäulensyndrome, Weichteilrheumatismus der Muskeln Nerven, Sehnen und Bänder, Kollagenkrankheiten, Sklerodermie),
Restzustände nach Lähmungen,
Zustände nach verschiedenen Verletzungen,
Osteoporose,
Gefäßerkrankungen wie Angioorganopathien(Arteriosklerose), Angioneuropathien (M. Raynaud) ,
Störungen innersekretorischer Organe (Störungen der Fertilität und der Potenz), Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Urolithiasis) Paradentose,
Altersbeschwerden

Für Kuren mit Peloiden werden folgende Heilanzeigen anerkannt:

Chronisch-entzündliche und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates,
rheumatischer Formenkreis,
Kollagenosen, Gicht,
Neuritiden, Neuralgien (Ischias),
Knochen- und Knorpelerkrankungen,
Folgezustände nach Verletzungen und operativen Eingriffen,
Osteoporose,
bestimmte gynäkologische Erkrankungen wie chronische Entzündungen der Genitalorgane und Folgezustände, Zyklusstörungen, Ovarialinsuffizienz, Sterilität, orthopädische Leiden im Bereich der Gynäkologie, klimakterische Beschwerden, postoperative Nachbehandlungen, Adhäsionsprophylaxe
Chronische urologische Erkrankungen,
Erkrankungen im Bereich der Harnwege,
unspezifische Prostatitis;
Chronische Erkrankungen des Magen-Darmtrakts, der Leber und der Gallenwege (Sekretionssteigerung, Spasmolyse).

Dermatologische Indikationen für kühle Peloidanwendungen:

Neurodermitis
Akne
Psoriasis
Furunkel
Ekzeme

Kontraindikationen gegen Kuren
Bei den Kontraindikationen gegen Kuren sind verschiedene Gesichtspunkt in Betracht zu ziehen. So können alle jene Erkrankungen als Kontraindikationen angesehen werden, bei denen durch eine Kur keine positive Beeinflussung erwartet werden kann.

Eine zweite Gruppe ergibt sich daraus, dass Erkrankungen durch die Reizwirkung die von der Anwendung des natürlichen ortsgebundenen Heilvorkommens ausgeht, eine Verschlechterung erfahren können. In dieser Hinsicht spielt die Reizstärke des Heilvorkommens eine Rolle. So gelten für die reizstarken Schwefelwässer zum Teil andere Kontraindikationen als für die reizmilde Sole. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Art der Applikation des Heilvorkommens. Naturgemäß entsprechen die Kontraindikationen gegen Badekuren nicht jenen wie sie für Trinkkuren beachtet werden müssen.

Schließlich wird in der Kurmedizin auch noch von relativen Kontraindikationen gesprochen, die eine Kur unter bestimmten Umständen als sinnvoll erscheinen lassen. Andererseits gibt es absolute Kontraindikationen die Durchführung einer Kur auf jeden Fall verbieten. Aus diesen Erörterungen ist ersichtlich, dass Kontraindikationen gegen Kuren einen eher individuellen Charakter aufweisen und daher auch in jedem einzelnen Fall gesondert beachtet werden sollten.

Konkrete Beispiele für Kontraindikationen gegen Bade- und Trinkkuren können den nachfolgenden Auflistungen entnommen werden.

Kontraindikationen gegen Badekuren sind dekompensierte Herzerkrankungen, alle akut-entzündlichen und fieberhaften Prozesse, nicht sanierte Herde, rheumatische Erkrankungen mit Neigung zu Schüben, Neigung zu rezidivierenden Thrombosen, tuberkulöse Erkrankungen, die nicht seit mindestens zwei Jahren abgeklungen sind, sowie ein schlechter Allgemeinzustand.

Bei den Gegenanzeigen gegen Trinkkuren werden allgemeine und spezielle unterschieden.

Allgemeine Gegenanzeigen sind alle jene Erkrankungen bei denen die Zufuhr größerer Flüssigkeitsvolumina vom Organismus nicht ausgeschieden werden können, wodurch eine Kreislaufbelastung entsteht. Zu diesen Erkrankungen gehören Störungen der Regulation des Wasser- und Salzhaushalts aus verschiedenen Ursachen, wie z.B. Herzkrankheiten mit Neigung zu Ödembildung, fortgeschrittene bzw. dekompensierte Leber- und Nierenerkrankungen mit Insuffizienzerscheinungen und die Hypertonie in fortgeschrittenen Stadien. Auch ein fortgeschrittener variköser Symptomenkomplex kann durch eine Trinkkur negativ beeinflusst werden.

Aus dem Bereich des Gastro-Intestinal-Trakts müssen folgende Gegenanzeigen genannt werden:
Frische Magen-Darm-Geschwüre, Pylorusstenose, Verschlußikterus, Gallensteinleiden besonders in Verbindung mit Gallenkoliken, akut- entzündliche Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich, Behinderungen der Darmpassage, maligne Prozesse und Blutungen.

Gegenanzeigen aus dem urologisch-nephrologischen Bereich gegen Trinkkuren sind:
Akut entzündliche Erkrankungen der Niere und der ableitenden Harnwege, Tumoren und Nierenkoliken.

Als absolute und relative Kontraindikationen der Peloidtherapie sind zu beachten:
alle akut-entzündlichen Erkrankungen, akute Schübe chronisch entzündlicher Erkrankungen und die meisten subakuten Erkrankungen Endometriosen juvenile und klimakterische Blutungen Gravidität Genitaltuberkulose Meno-Metrorrhagien, besonders bei Vorliegen von Myomen, malignen Tumoren, neurovegetative Störungen des kleinen Beckens Schwere Hypertonie, die mit Ruheinsuffizienz oder mit Schädigung des linken Ventrikels einhergeht und bei denen auch der diastolische Blutdruck erhöht ist.

Die letztgenannte Kontraindikation gilt absolut für das Vollbreibad und stellt für die Peloidpackung nur eine relative Kontraindikation dar.

Weitere Kontraindikationen sind der nephrogene Hochdruck, Hirnblutung und –embolie in der Anamnese, Status post Myocardinfarkt, zerebrale Anfallsleiden, blutende Magen- oder Duodenalgeschwüre, Oesophagusvarizen, Hyperthyreose, bestimmte Dermatosen (wie z.B. der Pemphigus vulgaris), entzündliche Herz-Arterien- und Venenerkrankungen und fortgeschrittene periphere Durchblutungsstörungen. Bei stärkerer Arteriosklerose muss im Einzelfall entschieden werden.

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